Brauchtum

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Vom geschichtlichen Ursprung und Verbreitung

              

"Das Aufstellen eines bis auf den Wipfelbuschen entästeten und entrindeten, mit Kränzen und Bändern behangenen Orts-Maibaums bürgerte sich seit dem 16. Jahrhundert ein.

Erst im 18. Jahrhundert bildeten sich die besonders für Oberbayern typischen Form des bis zu 40 m hohen Maibaumes ein, der auf mehreren Querleisten ausgeschnittene und bemalte Bildzeichen der Gewerbe oder seltener der wichtigen Baulichkeiten eines Dorfes zeigt."

Unter Mai, Maien, Mayen usw. ist damals allgemein ein belaubter Zweig zu verstehen, besonders wenn er im Frühjahr sein frisches Grün zeigt. Natürlich kommt sein Name vom Monat Mai. Er wurde aber auch noch zu Pfingsten oder Fronleichnam und an Sonnwend als " Maien " bezeichnet, wenn er zum Schmuck weltlicher und kirchlicher Feste diente.

Erstaunlich ist wohl für manchen, dass im 17. Jahrhundert hauptsächlich die Soldaten als Träger  der " Maien "  in Betracht kamen.

"Der ältere Grundstock bäuerlichen Brauchtums in festgelegten Formen lag in der privaten Sphäre ; Im Ritual um Geburt, Hochzeit, und Tod. Ebenso in den Alltagsgepflogenheiten und Sorge um Haus, Hof, Feld und Vieh, in der Ordnung des Wirtschaftslebens und in der Wahrung des nachbarlichen Zusammenhalts."

Schon Wilhelm Mannhardt weist in seinem zweibändigen Werk       " Wald- und Feldkulte " 1875 auf die weite Verbreitung des Maibaums hin : " Am ersten Maitag, zu Pfingsten oder am Abend des 23. Juni findet in deutschen, westslawischen, englischen, französischen und anderen keltischen und romanischen Landschaften die Einholung und Aufpflanzung der Maibäume   statt. "

 

Vom Baumfällen, Bemalen, Bewachen, Aufrichten 

     

Das Aufstellen des Maibaumes geschieht nach ganz bestimmten Riten, die sich seit Generationen geformt haben. Je nach Ortschaft sind zwar kleine Unterschiede zu erkennen, aber im  allgemeinen sind die Bräuche recht gleich.

Unmittelbar nach dem Fällen wird der Baum geschäpst, d.h entastet und entrindet. Soll der Stamm roh belassen werden, wird er direkt zum Aufstellungsort transportiert. Wenn er zum Baumkraxeln benutzt werden soll, wird er vom Schreiner glatt gehobelt und von den Mädchen und Frauen sauber gewaschen.

Ohne aktives Bewachen wird man aber in solchen Fällen nie auskommen, denn irgendwo in der engeren oder weiteren Nachbarschaft warten jungen Burschen nur darauf, dass der Maibaum, der da so sorglos vorbereitet wird, einen Augenblick ohne Bewachung daliegt und schon packen sie zu.

Hat unser Maibaum nun alle Gefahren glücklich überstanden oder wird er gegen einen Banzen Bier, wie's der Brauch will, von den Dieben wieder ordnungsgemäß zurückgebracht, so kann dann das Aufrichten programmgemäß beginnen.

Ein ungeschriebenes Gesetz schreibt vor, dass das Aufstellen allein von Hand - nur mit Muskelkraft - zu geschehen hat. Hier sind der geballten Manneskraft kaum Grenzen gesetzt.

 

Vom Stamm, Baumwipfel, Kränzen, Girlanden, Figuren, Schmuck, Spruchtafeln und anderen Dinge

                           

Schon bi der Auswahl des als Maibaum vorgesehenen Stammes im Wald, ist zu klären, wie der künftige Maibaum gestaltet werden soll. Ursprünglich war es wohl ein ungeschriebenes Gesetz, den Baumwipfel am Stamm zu belassen, so dass der Maibaum damit seine natürliche Spitze hatte.

Sehr beleibt und auch immer wieder mit festlicher Wirkung  sind von alters her Kränze, die gewöhnlich an Bändern aufgehängt, rings um den Stamm schweben und ihrerseits dann oft mit flatternden Bändern in den Landesfarben geziert sind.

Aus gleichem Material wie die Kränze werden die Girlanden gefertigt, die besonders bei unbemalten Maibäumen gern spiralenförmig rund um den Stamm gewickelt werden.

Mit Aufkommen und der Verbreitung des Ortsmaibaumes, die man in Bayern auch als Folge des wachsenden politischen Selbstverständnisses im jungen Königreich sehen kann, entstand der Wunsch dafür, eine Zier zu schaffen, die längere Lebensdauer hat, als das kurzlebige grün und daraus entwickelte sich wohl der Brauch, den Maibaum mit Figuren zu schmücken.

Außer Wappen oder sonstige Embleme prangen an vielen Maibäumen im unteren Bereich Tafeln mit der Jahreszahl der Aufstellung oder einer Widmung und oft auch fromme und weniger frommen Sprüchen.